Chen Zhen. Der Körper als Landschaft / Chen Zhen. 1991 – 2000 unrealized
Donnerstag, 13.09.2007
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle Wien vom 25.05. – 02.09. 2007. Hg. von der Kunsthalle Wien, Gerald Matt. Mit Texten von Gerald Matt, Maité Vissault, Wang Min´an und Ken Lum. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg, 2007, ISBN 978-3-939738-28-2, 96 Seiten, 91 Farbabb., Broschur, Format 23,5 x 16,5 cm, € 24
Publikation anlässlich der Ausstellung „Chen Zhen. Der Körper als Landschaft“ in der Kunsthalle Wien vom 25.05. – 02.09. 2007. Hg. von der Kunsthalle Wien, Gerald Matt. Mit einem Text von Gerald Matt und Ilse Lafer. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg, 2007, ISBN 978-3-939738-29-9, 224 Seiten,150 überwiegend farbige Projektzeichnungen, Broschur, Format 16,5 x 23,5 cm, € 26
Der chinesische Künstler Chen Zhen (1955-2000) verließ 1986 seine Heimat und zog nach Paris. Mit Hilfe seines Bruders und gelegentlichen Portraitierens von Touristen lebte er sich dort ein und schuf drei Jahre lang überhaupt keine Kunst. Nach dieser Zeit der Transformation entstanden Werke, deren Hauptziel die Bewältigung seiner schweren Leukämieerkrankung und die Umsetzung seines Konzepts der „Transexpériences“ waren: „Diese Art von Erfahrungsbegriff bezieht sich (…) auf etwas äußerst wichtiges, nämlich darauf, sich in das Leben zu vertiefen, mit anderen zu verschmelzen und sich mit ihnen zu identifizieren.“ (Chen Zhen)
Seine Skulpturen und Environments drehen sich um das Werden und Vergehen des menschlichen Körpers. Anhand von gläsernen Organen, geflochtenen Kokons, Wasser, Asche und lehmverschmierter Kleidung umkreist der Künstler sein Thema zwischen Geborgenheit und Ausgesetztsein. Der Betrachter ist aufgefordert, sich aktiv zu beteiligen, Teil eines Heilungsprozesses zu werden, der jenseits aller ethnischen Grenzen zur Weltgesundheit führen soll. In seinem Werk „Jue Chang, Dancing Body – Drumming Mind (The Last Song), 2000“, präsentiert er eine Installation aus Dutzenden, mit Trommelhäuten bespannten Stühlen, Tischen und Bettgestellen. Der Betrachter darf zum Klöppel greifen, um sich als Teil einer kollektiven, transethnischen Erfahrung in den Weltfrieden zu trommeln. „Jue Chang hat eine eindeutig therapeutische Aura. Es will Körper und Geist heilen, indem es durch Musik und Bewegung (…) von Aggressionen, Stress und Ängsten befreit.“ (Maité Vissault) Wem das zu sehr nach Therapiekursen an der Volkshochschule klingt, darf beruhigt sein: Auch anspruchsvolle Geister werden unter Stichworten wie „Hybridität und Mobilität, Affinitäten, Spannungen und Vernetzungen, Globalisierungskritik, Interkulturalität und Ethnizität“ ein Œuvre vorfinden, das die angesagten Themen der Zeit im Spannungsfeld zwischen asiatischer und westlicher Kunsttradition und mit einem ängstlichen Blick auf die eigene angeschlagene Körperlichkeit verbindet und daraus eine große schöpferische Kraft entwickelt.
Ergänzend zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation, die alle unrealisierten Arbeiten anhand von Projektzeichnungen des Künstlers zeigt.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.26 (April 2008).