Isa Dahl / Daniel Wagenblast

Mittwoch, 20.02.2008

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Hospitalhof Stuttgart vom 14.09. – 14.10. 2007. Hg. von Helmut A. Müller. Mit einem Text von Helmut A. Müller. Edition Hospitalhof, Stuttgart, 2007, aufklappbare Seiten mit Farbabbildungen, gebunden, Format 29 x 20 cm, € 10

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Hospitalhof Stuttgart vom 14.09. – 14.10. 2007. Hg. von Helmut A. Müller. Mit einem Text von Helmut A. Müller. Edition Hospitalhof, Stuttgart, 2007, aufklappbare Seiten mit Farbabbildungen, gebunden, Format 29 x 20 cm, € 10

Das Künstlerpaar präsentiert in zwei getrennten Publikationen zur Ausstellung „beziehungsweise“ im Hospitalhof seine neuen Arbeiten. Die 1965 geborene Isa Dahl bricht mit ihren oft gesehenden Tondos und kehrt zurück zum traditionellen Tafelbildformat. Der malerische Sog der trichter- oder wurmlochartigen, chaotisch strudelnden Farbräume wird zugunsten „hängender Strukturen und Schreibschwüngen“ aufgegeben. Die Bilder schließen in Farbigkeit und Pinselführung an ihre älteren Arbeiten an, wirken jedoch offener und dynamischer als die streng geschlossenen Kreise.
Daniel Wagenblast, Jahrgang 1963, präsentiert einige Kleinplastiken aus Balsaholz, die sich mit den Themen Kirche und Gewalt beschäftigen. Helmut A. Müller interpretiert die Kombinationen von Kirchengebäuden mit Bomben, U-Booten und Flugzeugen als Realitätsfluchten oder Träume. Mit Blick auf die zunehmenden Verwerfungen zwischen den Weltreligionen lassen sich hier aber auch kritische Kommentare zum Gewaltpotential fanatischer religiöser Überzeugungen finden. Die Kirche hängt sich dran, pfropft sich auf und setzt sich fest. Sie findet sich in den Arbeiten sowohl als Opfer als auch als Triebkraft von Gewalt wieder.

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.26 (April 2008).

Landschaft als Metapher

Dienstag, 19.02.2008

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Ursula Blickle Stiftung vom 11.09. – 16.10. 2005. Hg. von Peter Weiermair. Mit Texten von Peter Weiermair, Filippo Maggia und den Künstlern. Selbstverlag, Kraichtal, 2005, ISBN 3-930043-27-0, 104 Seiten, 60 Abb., davon 46 farbig, Klappbroschur, Format 23 x 21 cm, € 10.–

Ob meditativer, kühl-sachlicher oder philosophischer Blick durch das Auge der Kamera: Landschaft findet sich immer dort, wo die Natur an ihr Ende gelangt. Ob in den kleinen Dschungeln der Kindheit von Martin Tusch, den Off-Focus-Bildern von Bill Jacobson, der romantisch-verträumten Landschaftsdarstellung von Elger Esser oder den verlassenen Häuserschluchten von Annalisa Sonzogni: Immer weist die fotografierte Landschaft über sich hinaus und wird zum Zeichen sowohl für den verändernden Einfluss des Menschen als auch für eine Rückspiegelung menschlicher Befindlichkeit durch die abgebildete Lebensumwelt. Die zwanzig internationalen Fotografen sehen Landschaft als Sinnbild einer Krise oder als Suche nach dem verlorenen Paradies. Ihre Landschaften bebildern die Zerrüttung zwischen Mensch und Umwelt aber auch zwischen Mensch und Mensch. Sie tritt an die Stelle von Sehnsüchten, Vorurteilen und Wunschwelten, wobei die ganze Bandbreite von scheinbar naturbelassenen Orten bis zu architektonischen und städtebaulichen Abartigkeiten fotografisch festgehalten wird.

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.26 (April 2008).

Liebe Leserinnen, liebe Leser, geliebte Off-Spaces,

Dienstag, 12.02.2008

Eins – Null, On – Off. Im Binärsystem des Kunstmarkts galt es noch nie als schick, eine Null zu sein. Frisch aus den Akademien quillen die Absolventen selbstbewusst und staatstragend hervor. Wer nicht sofort On ist, verbleibt im Off-Hades, bis ihm die Ohren abfallen. Wer in schlecht beheizten Abbruchhäusern Räume besetzt, um Kunst zu präsentieren, verschwendet seine Energie, ist für alle Zeiten auf staatliche Transferleistungen angewiesen und verkommt zur Freakshow, zum Sammelbecken für Hungerkünstler, arme Poeten und zukünftige Blutkonserven-Kuriere.

In einer mythischen Zeit, als die Menschheit sich über Kunst noch zu erregen wusste, gebührte dem Off-Space die Rolle eines subkutan injizierten, gesellschaftlichen Gifts. Schön langsam sollte es zu Entzündungsreaktionen des umliegenden bürgerlichen Gewebes führen. Doch nichts geschah, die Radikalität der Kunst erlag den Abwehrkräften des Kapitals.

Jonathan Meese sagte vor ein paar Wochen, es gebe ein Menschenrecht auf Radikalität. Die Süddeutsche Zeitung winkte gleich ab und befand, „dass diese Radikalitätsgeste selbst verstaubt im Museum der Moderne herumsteht und durch bloße Wiederholung plus Überbietung nicht frischer wird“. Recht hat sie.

Aber braucht der Off-Space die Radikalität? Ist er tatsächlich nur das Gegenteil von Geld, Macht und Einfluss? Ist er nur deshalb Off, weil er nicht gut genug ist? Oder ist er einfach anders, eine Probebühne, ein Laboratorium, eine Keimzelle für Kommendes, eine Antwort auf schiere Größe, eine Zuflucht und ein Partyraum, halt irgendwie Off und irgendwie auch stolz drauf?

Das Sonnendeck hat keine Kosten gescheut, um Antworten zu finden, und wie der Zufall es will, öffnet am 27. Februar die einzige deutsche Off-Space-Messe, die UND#3 in Karlsruhe ihre Pforten. Elsa-Laura Horstkötter hat sich dort im Vorfeld umgesehen und einige besonders agile Kunstinitiativen gefunden.

Michael Reuter versucht sich im Meer der künstlerischen Beliebigkeit an einer Kartierung Stuttgarter Off-Inseln, die im Angesicht eines 21-köpfigen Seeungeheuers leben müssen, das viele der kleinen Eilande zu verschlingen droht. Jochen Schlöder hegt heimatliche Gefühle für den Off-Space und Jörg Scheller beschreibt ihn als Transitstation für Kunstkarrieren. Im wahrsten Sinne im Off weilt zurzeit auch Redaktionsleiter Hansjörg Fröhlich, der uns an seinen Erlebnissen im fernen Vietnam teilhaben lässt.

Binäre Grüße vom 01010011 01101111 01101110 01101110 01100101 01101110 01100100 01100101 01100011 01101011

Der Beitrag von Michael Reuter erschien zuerst in der Stuttgarter Kunstzeitschrift Sonnendeck, Ausgabe 57, März 2008.

Thomas Hellinger. Flüchtige Raumsequenzen

Sonntag, 03.02.2008

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Villa Berberich, Bad Säckingen und der Galerie Altes Schloss, Wehr vom 16.09. – 14.10. 2007. Mit einem Text von Franz Littmann. Eigenverlag, Dresden, 2007, ohne ISBN, 48 Seiten, 41 Farb- und 4 s7w-Abbb., Broschur, Format 20 x 23 cm, € 10.—

Der Philosoph Franz Littmann beschreibt die Arbeiten des 1956 in Konstanz geborenen Malers Thomas Hellinger als „zweideutige Zwischenwelten“. Wie ein Filmregisseur spiele er mit Doppelbelichtungen, Überblendungen und Spiegelungen und inszeniere „ebenso leere wie diffuse Traumbilder“. Seine Motive bezieht Hellinger aus Architektur- und Landschaftsfragmenten. Der Betrachter sieht Gebäudeteile und Stahlstreben, die, mehrmals verschachtelt und übereinandergelegt, zu explodieren scheinen. Die Dynamik der Bilder, die stürzenden Linien und flackernden Farben erinnert an den experimentellen Dokumentarfilm „Berlin, Sinfonie einer Großstadt“ von 1927. Als Einzelwerke durchaus ansprechend, in der endlosen Reihung etwas fad.

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr. 26 (April 2008).