In voller Blüte
Mittwoch, 28.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Villa Rot, Burgfrieden-Rot, vom 20.04. – 06.07. 2008. Hg. von der Hoenes-Stiftung und Stefanie Dathe. Mit Texten von Stephanie Dathe und Gertrude Amann-Edelkott. Eigenverlag, Burgrieden-Rot, 2008, ohne ISBN, 32 Seiten, 85 Farbabb., gebunden, Format 23 x 17 cm, € 12.—
Nach Emden und Bietigheim nun die nächste Ausstellung mit allerlei blühenden und natürlich dürfen auch hier die wundervollen, in der Übersicht sich wiederholenden Tulpen-Scannogramme der Brasilianerin Luzia Simons nicht fehlen. Aber Simons kann auch anders und die rege Ausstellungsbeteiligung sei ihr und der Stuttgarter Galerie Vero Wollmann gegönnt. Die einleitenden Worte der Publikation, dass die Künstler unsere Wahrnehmung wieder öffnen wollen für die Schönheiten einer Natur jenseits der medialen Überfütterung und Verzerrung, werden aber gerade durch die übergroße, technisierte Darstellung konterkariert. Eine „bewusste Rückbesinnung“ wird angesichts der bildbearbeitungsgedopten Knospen und Blüten von Volker Leyendecker oder Tim Maguire und den ins monströse vergrößerten Blumen aus Wolle und Synthetik von Susanna Taras sicherlich nicht stattfinden. Die ollen Pflanzenaufnahmen von Karl Blossfeldt hätten die Kuratoren auch weglassen können. Ansonsten eine bunte Ausstellung, im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Nairy Baghramian. The Walker´s Day Off
Mittwoch, 28.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, vom 17.05 – 06.06. 2008. Hg. von Karola Grässlin. Mit Texten von Dominic Eichler und André Rottmann. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2008, ISBN 978-3-86560-471-2, 78 Seiten, 28 Farbabb., Broschur, Format 27 x 21 cm, € 19,80
Harte intellektuelle Kost bietet der Katalog zu Arbeiten der 1971 in Isfahan, Iran, geborenen Nairy Baghramian. Eine sehr reduzierte, minimalistische Formensprache mit einem konzeptionellen Ansatz, der das System des Kunstbetriebs und den Ausstellungsort an sich in Frage stellt. Die Räume der Kunsthalle Baden-Baden werden selbst zu Ausstellungsobjekten, während die eigentlichen Skulpturen, eine Art von futuristischen Garderobenständern, die als Zeichnungen vielversprechender sind als in der Realität, dezent zurücktreten. Baghramian sagt im Katalog: „Ich fände es gut, wenn der Betrachter den zweiten Ausstellungsraum betreten und sich dann entscheiden würde, dass er doch keine Lust mehr hat, wieder kehrtmacht und geht“. Kann gut sein.
Play it – Kunst und Spiel in Stuttgart
Mittwoch, 21.05.2008
Vier zu vier stand es am vergangenen Montag beim Presserundgang in der Halle 6 des alten Messegeländes am Stuttgarter Killesberg. Die traurige Delegation des Stuttgarter Pressekorps und vier angespannte Ausstellungsmacher. Ohrenbetäubender Aufbaulärm im Hintergrund. Werner Meyer, Leiter der Kunsthalle Göppingen und Kurator der „Play it“ – Ausstellung rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Ludger Hünnekens, Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und erster Vorsitzender des Vereins „Kunst08+“, gab sich gelassen, flankiert von Jörg-Dieter Walz (Galerie 14-1) und Ramona Dengel vom Projektbüro.
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Robert Lucander. Cocktail International
Sonntag, 18.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr vom 14.05. – 23.07. 2006 und im Museum Baden, Solingen, vom 10.09. – 29.10. 2006. Hg. von Oliver Zybok. Mit Texten von Beate Ermacora, Harald Falckenberg und Oliver Zybok. Verlag Hatje Cantz, Ostfildern, 2006, ISBN 978-3-7757-1756-4, 104 Seiten, 101 farbige Abb., gebunden, Format 30,5 x 24,5 cm, € 24.—
Der finnische Maler, Jahrgang 1962 und Absolvent der Hochschule der Künste in Berlin bei Professor Marwan, zeigt in der vorliegenden Publikation einen ersten Überblick über sein Werk. Die Motive, vor allem lachende Gesichter und die Mimik und Gestik von Partygängern, entnimmt er Plattencover, Zeitschriften oder Groschenromanen. Die ewige, sinnlos gute Laune, die seine um 2000 auf Holz gemalten Protagonisten ausstrahlen, hat etwas Absurdes und Skurriles an sich. Die Menschen sind nur fragmentarisch dargestellt. Die Körperpartien sind mit Blei- und Buntstiften gezeichnet, die anderen Bildteile sind mit wenigen, ungemischten Farben strukturlos ausgemalt. Die Maserung des Holzes dient Lucander als kompositorisches Element, teilweise zog er seine noch feuchten Arbeiten über den Atelierboden, um die Oberfläche zu zerkratzen und einen allzu glatten Look der Bilder zu vermeiden. Ein paar Jahre später haben seine Arbeiten einen Hang ins sozialkritische, die neuesten Arbeiten bestehen aus zweiteiligen Aquarellen.
Seine Arbeiten kreisen um die Themen Lüge und Wahrheit, Schein und Wirklichkeit oder Original und Kopie. Die Kritik am modernen, oberflächlichen Lifestyle wirkt aus der Distanz schon sehr angestaubt. Die Dyptichen sind noch nicht ausgereift, zeigen aber einen neuen malerischen Weg auf, der etwas differenzierter zu sein scheint.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Robert Rauschenberg. Selected Works 1974-1999
Sonntag, 18.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Michael Schultz, Berlin, vom 28.04. – 10.06. 2007. Hg. von der Galerie. Mit einem Text von Jürgen Schilling. Eigenverlag, Berlin, 2007, ISBN 3-939983-06-3, 120 Seiten, 18 Farbabb., Broschur, Format 24,5 x 24 cm, € 30.–
Im Mai 2008 ist Robert Rauschenberg im Alter von 82 Jahren verstorben. Der Katalog der Galerie Michael Schultz aus dem Jahre 2007 besteht zur Hälfte aus einer Auflistung seiner vielen Gruppen- und Einzelausstellungen. Ehre, wem Ehre gebührt, denn Rauschenberg war der letzte lebende große US-Künstler der Pop-Art. Berühmt geworden durch seine Assemblagen wandte er sich in den 60er-Jahren dem Theater und dem Ballett zu, betätigte sich als Kostümdesigner, Bühnenbildner und Choreograph. Später gab er zweidimensionalen Bildtypen den Vorzug, experimentierte mit Siebdruck und einer Transfertechnik, die es ihm ermöglichte, Texte und Reproduktionen seitenverkehrt auf Leinwand zu übertragen. Der Katalog zeigt große Arbeiten, überwiegend auf Aluminium und Stahl, aus den Jahren 1974-1999. Unspektakuläre Bildcollagen, die etwas redundant daherkommen und wohl eher der Finanzierung seiner vielfältigen sozialen und politischen Aktivitäten dienten.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Herman Waibel. Sein Werk im Kontext der Konkreten Kunst
Samstag, 17.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Städtischen Galerie Ravensburg vom 19.03. – 22.05. 2005. Hg. von der Galerie. Mit Texten von u.a. Simone Zimmermann und Eugen Gomringer. Eigenverlag, Ravensburg, 2005, ISBN 3-9809080-2-X, 102 Seiten, 36 Farb.- und 2 s/w Abb., Broschur, Format 21 x 16 cm, € 14,50
Konkrete Kunst könnte so schön sein, würde sie nicht durch den ausgedünsteten Theorieballast so schwer im Magen liegen. Allerdings erschließt sich auch das Werk des 1925 in Ravensburg geborenen Hermann Waibels erst über die eingehende Beschreibung seiner Techniken, mit denen er die farbigen, auf rechteckigen Formen basierenden Acrylglas-Reliefs durch das Licht ‚bespielen’ lässt. Seine wichtigsten Werkgruppen „Lichtstrukturen“, „Lichtinstrumente“ und „Raumlichtfarben“ entstanden aus genauen Studien und Experimenten zu Lichtwirkungen und Materialeigenschaften. Entstanden sind tiefräumliche Objekte, deren Erscheinungsbild sich je nach Lichtintensität und –einfall verändert. Leider können die Bilder im Katalog diese Wirkung nicht annähernd wiedergeben.
Waibels Arbeiten werden in den Dialog mit anderen richtungsweisenden Werken gestellt, die alle aus dem Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt stammen.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Speed up. Grenzerfahrungen im Sport und in der zeitgenössischen Kunst
Freitag, 16.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Sportmuseum Schweiz, Basel vom 03.12. 2004 – 13.02. 2005. Hg. vom Museum. Mit Texten von u.a. Bernhard Marti und Verena Kuni. Schwabe Verlag, Basel, 2004, ISBN 3-7965-2124-X, 96 Seiten, 85 Farbabb., Broschur, Format 26 x 19,5 cm, € 24.–
Seit Beginn des frühen 20. Jahrhunderts entwickelt sich der Sport zu einem kommerziell ausgeschlachteten Massenspektakel. Seit einigen Jahrzehnten verzeichnet auch die Kunst einen steilen Aufstieg in der Gunst exkursionswütiger Tagestouristen und superreicher Oligarchen, die nicht wissen, wohin mit dem Geld. Das Sportmuseum in Basel führte 2004 beide Bereiche zusammen. Der Katalog untersucht Übereinstimmungen und Brechungen in den Bereichen Wettstreit, unbedingtem Siegeswillen und Leistungszwang auf der einen, sowie Entschleunigung, Stillstand und Kontemplation auf der anderen Seite. Gabriele Kleins Essay „Beschleunigung und Geschwindigkeit“ beschreibt den allgegenwärtigen hyperaktiven Körper des 20. Jahrhunderts als die Antwort des im Alltag zur Passivität verurteilten Körpers. Er „unterwirft sich in selbstaufopfernder, selbstkontrollierender Weise (…) dem Leistungsparadigma der Moderne, bei dem das reine Durchhalten in der vorgegebenen Zeit, aber auch das Tempo von entscheidender Bedeutung sind“. Zwölf junge KünstlerInnen versuchen, diese „Bewegungskonzepte der Moderne“ auszuloten und kritisch zu hinterfragen.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Denise Green
Donnerstag, 15.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve vom 28.05. – 03.09. 2006. Hg. vom Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. Mit einem Text von Roland Mönig. Kerber Verlag, Bielefeld, 2006, ISBN 3-938025-99-9, 96 Seiten, 64 Farb- und 15 s/w-Abbildungen, Broschur, Format 27 x 20,5 cm, € 29,80
Das malerische Werk der in New York lebenden und 1946 in Melbourne, Australien geborenen Künstlerin entwickelte sich über die Jahre langsam und gradlinig zwischen Abstraktion und Figuration. Ausgehend von quadratischen Formaten und beeinflusst von vielen Reisen und Kulturen versucht Green mit einem immer wiederkehrenden Formenvokabular aus Vasen, Fächern, architektonischen Formen und Stühlen, ihre Bilder für eine neue Sinngebung zu öffnen. Sie sieht in ihren Arbeiten „Gefäße, die Emotionen und Ideen aufnehmen können“. Dabei wurde sie auch von Joseph Beuys beeinflusst, der versuchte, Materialien magisch aufzuladen, sie zu Energieakkumulatoren zu machen. Je eindrücklicher die Motive von Denise Green in den malerischen Vordergrund drängen, desto fahriger und unruhiger wirken die Bilder. Greens Stärke liegt in der Reduktionen, in Formen, die vor einem Hintergrund aus kräftigen, manchmal zerfließenden Farben und Schraffuren schwimmen und „offen für das Unbewusste“ sind.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Robert Indiana. The American Painter of Signs
Donnerstag, 15.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Wiesbaden vom 22.01. – 18.05. 2007. Hg. vom Museum. Mit Texten von Volker Rattemeyer und Annette Tietenberg. Eigenverlag, Wiesbaden, 2007, ISBN 978-3-89258-075-1, 86 Seiten, 57 Farb. und zwei s7w-Abb., Klappbroschur, Format 28 x 24 cm, € 20.—
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve vom 26.08. 2007 – 06.01. 2008. Hg. vom Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. Mit einem Text von Roland Möning. Eigenverlag, Kleve, 2007, ISBN 978-3-934935-38-9, 124 Seiten, zahlreiche Abb., gebunden, Format 30,5 x 24,5 cm, € 24,50
Der Pop-Artist Robert Indiana, dessen Wortbild „Love“ gleich nach Entstehung ein Eigenleben entwickelte und zum Symbol einer Lebenseinstellung wurde, kommt nicht über den American Dream hinaus und kreist in seinen Bildfindungen beständig um sich selbst. Was seine Werke mit dem Heute verbindet bleibt unklar. Annette Tietenberg versucht, die sich immer wiederholenden Darstellungen des Alphabets, der Nationalsymbole und der Zahlen als eine Aufarbeitung der Kindheitserinnerungen des Künstlers zu erklären. Als eine Reflexion über Zeichen, die für Indiana Magie, Autorität und Orientierungshilfe bedeuteten. Leider präsentiert beide Kataloge keine Bilder nach 9/11. Seine 2003 entstandenen Peace Paintings, die er als Antwort auf die Terroranschläge und die amerikanische Vergeltung malte, verdeutlichen, dass er mit der Technik von Gestern keine Antworten auf die Fragen der Gegenwart findet.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).
Renoir. Landschaften 1865 – 1883
Mittwoch, 14.05.2008
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in The National Gallery, London vom 21.02. – 20.05. 2007. Hg. Kate Bell. Mit Texten von u.a. John House und Simon Kelly. Belser Verlag, Stuttgart, 2007, ISBN 978-7630-2482-7, 296 Seiten, 180 Farbabb., gebunden, Format 28,5 x 24,5 cm, € 68.–
Katalogpublikationen über die Malerstars des Impressionismus leiden gelegentlich unter der erdrückenden Vielfalt an kunstwissenschaftlichen Belegen. Akribisch wird auch in den einleitenden Texten zu den Landschaftsbildern von Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) verzeichnet, wer wann wo welches Bild in diesem oder jenem Salon präsentierte. Kunstgeschichte für Kunstgeschichtler, für den einfachen Kunstfreund sehr anstrengend zu verfolgen. Dennoch sollte man die Texte zumindest querlesen, sie geben einen guten Einblick in die Situationen der Impressionisten in einem sich schnell verändernden Paris, das von Baron Georges Haussmann seit Mitte der 1850er-Jahre umgepflügt wurde. Die offene Neugestaltung der Stadt mit breiten Boulevards und beeindruckenden Sichtachsen eröffneten auch für die Pariser Künstler neue Perspektiven. Dabei fiel die Entstehung des modernen Paris zusammen mit der Bevorzugung von Bildern ländlicher Abgeschiedenheit. Die „Schule von Barbizon“ malte vor allem im Wald von Fontainebleau, etwa 60 Kilometer von Paris entfernt. Die Landschaftsmalerei galt den Kritikern in Frankreich als größte Errungenschaft der zeitgenössischen französischen Malerei. Renoir sah sich allerdings eher als Figurenmaler und Porträtist und auch viele Kritiker und Malerkollegen konnten mit seinen Landschaften nichts anfangen. Die frühe Technik von Renoir spiegelt seine Verbundenheit mit der Schule von Barbizon wieder. Den Maler Corot bezeichnete er als den größten Landschaftsmaler, der jemals lebe.
Auch die Verkaufmöglichkeiten für Künstler begannen sich zu wandeln. Neben dem offiziellen Pariser Salon etablierten sich kommerzielle Galerien und Auktionshäuser, die die wachsende kommerzielle Wertschätzung der Landschaftsmalerei widerspiegelten.
Lesenswert sind die Texte zu den einzelnen Werken Renoirs. Biografische Hinweise, Erklärungen zu Malweise und Provenienz und eine umfangreiche Orts- und Zeittafel erschließen die Malerei Renoirs lebhafter als Inventarlisten und Rechnungsbücher.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).