Udo Nöger. Me Water

Samstag, 30.08.2008

Publikation zu drei Ausstellung, unter anderem in der Kunsthalle Krems, Österreich,4 vom 16.11. 2008 – 22.02. 2009. Mit einem Text von Sabine Krebber. Hg. von Udo Nöger, Beck & Eggeling Kunstverlag, Düsseldorf, 2007, ISBN 3-930919-49-4, 119 Seiten, 75 Farbabb., gebunden, Format 29 x 23 cm, € 30.—

Vom gnädig kurzen, kunstesoterischen Text über Lichtmaterie, Lichtfluss und allerlei diffuser Vibrationen beim geneigten Betrachter mal abgesehen, präsentieren sich die abstrakten Werke des 1961 geborenen Udo Nögers als sehenswerte Meditationsbilder. Gebrochen weiße Kreise, Streifen, Schlieren und Tropfen auf mehrlagigen Gewebeschichten, deren malerische Tiefe sich in den Farbabbildungen nur näherungsweise vermittelt. Abstufungen von Weiß vor den immergleichen weißen Galeriewänden. Eine Doppelseite im Katalog zeigt den knubbeligen Künstler mit knallrotem Sweater neben einem acht Meter langen Triptychon: Gerade wegen der poetischen Schönheit seiner Werke freut man sich über jeden profanen Realitätsklecks.

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).

Ulrike Gerst. Malerei

Donnerstag, 28.08.2008

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Gesellschaft der Freunde junger Kunst, Altes Dampfbad, Baden-Baden, vom 04.05. – 29.06. 2008. Hg. von der Gesellschaft. Mit einem Text von Susanne Buckesfeld. Eigenverlag, Baden-Baden, 2008, ISBN 978-3-9810432-0-4, 18 Seiten, 26 Farbabb., Broschur, Format 17 x 24 cm, € 6.—

Melancholische Ausschnitte von Interieurs präsentiert Ulrike Gerst (* 1953) in dieser kleinen Publikation. In seriellen Ölbildern und Gouachen nähert sie sich menschenleeren Hotelräumen, Wohnmobilen oder zurückgelassenen Möbelstücken. Sabine Buckesfeld schreibt in ihrem Text, es gehe der Malerin „in erster Linie darum, in ihren Kompositionen die im Verborgenen liegende Geschichte und den emotionalen Gehalt der Räume, die sie uns zeigt, zu vermitteln“. Es sind reizvolle Arbeiten, die der Betrachter mit eigenen Geschichten und verblassten Erinnerungen auffüllen und sie so auf eine sehr persönliche Weise für sich erschließen kann.

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).

Face to Face. The Daros Collections

Mittwoch, 27.08.2008

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in den Daros Exhibitions im Löwenbräu, Zürich, Teil 1 vom 05.10. 2007 – 17.02. 2008; Teil 2 vom 14. 03 – 07. 09. 2008. Hg. von der Daros-Latinamerica AG. Mit Texten von Luis Camnitzer und Alexander Alberro. Verlag Hatje Cantz, Ostfildern, 2008, ISBN 978-3-7757-2112-7, spanisch/englisch, 288 Seiten, 155 farbige Abb., gebunden, Format
28,7 x 26 cm, € 45.—

Den Kern der Daros Collection bildet Kunst aus Nordamerika und Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Daros-Latinamerica Collection ist mit circa 1 000 Arbeiten von rund 100 Künstlern die europaweit umfassendste Sammlung lateinamerikanischer Kunst. Für die zweiteilige Ausstellung „Face to Face“ wurden beide Sammlungen zusammengeführt. Die Hängung verdeutlicht formale Ähnlichkeiten zwischen den Kunstwerken und versucht, „eurozentrierte Denkmodelle“ der Kunstrezeption ins Wanken zu bringen. Auch der Text von Luis Camnitzer dreht sich um die Arroganz und Ignoranz im Umgang mit Kunst aus Lateinamerika. Obwohl viele Kuratoren ihren Blick seit einigen Jahren immer wieder in Gegenden schweifen lassen, die nicht im Fokus des Weltkunstgeschehens stehen, ist es für lateinamerikanische oder gar afrikanische Künstler schwer, Beachtung zu finden. Camnitzer ist nicht generell gegen den Begriff der Weltkunst, merkt aber kritisch an, dass es mehrere „valide“ Produktionsebenen für Künstler geben müsse, und dass der Begriff Weltkunst nicht letztgültig definierbar sei. In Zeiten eines zunehmenden Individualismus werden Kunstmarkt und Kunstwissenschaft ihre normative Macht verlieren und der Künstler erhält die Möglichkeit, sich als Teil eines „kollektiven kulturellen Prozesses“ neu zu verorten. Camnitzer denkt dabei nicht an den Künstler als „ein Modul innerhalb eines riesigen Medienspektakels“, wie Wolfgang Ulrich es formuliert hat, sondern als Vordenker gesellschaftlicher Zukunft, die jenseits der Weltkunst auch wieder verstärkt in lokalen Strukturen zu finden sein wird.

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).

Felix Gonzalez-Torres

Mittwoch, 27.08.2008

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Hamburger Bahnhof, Berlin, vom 01.10. 2006 – 09.01. 2007. Hg. von der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst. Mit Texten von u.a. Petra Reichensperger und Gregor Stemmrich. Vice Versa Vertrieb, Berlin, 2006, ISBN 3-938515-04-X, deutsch/englisch, 224 Seiten, ca. 90 Farbabb., gebunden, Format 22 x 17 cm, € 28.—

Nichts gegen die Arbeiten des bereits 1996 jung verstorbenen kubanischen Künstlers Felix Gonzalez-Torres. Die Publikation der NGBK beschreibt sie als hochkomplex und würdigt die Werke in hochkomplexen, toternsten Texten. Gonzalez-Torres, vor allem bekannt für seine Papierstapel (stacks) und Bonbonschüttungen, kommt beim Publikum gut an, weil sich jeder ein Blatt echter Kunst mitnehmen oder einen Bonbon lutschen darf. Den Pavillon der USA in Venedig verließ 2007 kaum ein Besucher ohne Papierrolle. Dass er gerade Zeuge eines „subversive(n) Unterlaufen des herrschenden politischen Diskurses“ war, wird niemandem aufgefallen sein.
Unfreiwillig komisch erscheinen die Texte der Publikation im Hinblick auf die Aussage des Künstlers, er wolle Kunst machen für Leute, die sich sonst die „Golden Girls“ ansehen. Ein Anspruch, dem die Autoren heftigst zu widersprechen scheinen, da es geradezu „unmöglich“ sei, die Arbeiten ohne zusätzliche Informationen zu erschließen. Und wer würde es wagen, erhobenen Hauptes eine Arbeit zu betrachten, von der Frank Wagner schreibt: „Die Klarheit der Materialisation band die pathetische Spur ahnungsvoller Emotionen …“ Besonders die „date pieces“ mit Textstreifen wie „Bitburg Cemetery 1985 Walkman 1979 Cape Town 1985…“ machen es dem Betrachter schwer. Was soll er mit den Daten anfangen, die private und politische Ereignisse vermischen? Und wer beschäftigt sich länger als dreißig Sekunden mit einem Werk, wenn er noch fünf bis fünfzig Räume im Museum vor sich hat? Also erarbeiteten fünf Studenten pädagogische Raumkonzepte, um das vom Künstler umworbene Fernsehpublikum mit den nötigen Fakten-Häppchen zu versorgen. Die Herangehensweise wird „experimentelle Aktivierung und Hinterfragung von Rezeptionsprozessen als real-diskursive Handlungsräume“ genannt. Eine wunderbare Umschreibung für Publikumsnähe

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).

Cora Volz

Montag, 25.08.2008

Publikation zur Verleihung des ZONTA Kunstpreises 2004.Mit einem Text von Lida von Mengden. Eigenverlag, Mainz, 2004, ohne ISBN, erhältlich über die Gesellschaft der Freunde Junger Kunst, Baden-Baden, 40 Seiten, 60 Farbabb., Broschur, Format 27,5 x 23 cm, € 12.–

Cora Volz (*1966) fertigt in einem aufwendigen Prozess idealisierte Frauenbüsten und Halbfiguren aus Gips. Die fertigen Skulpturen werden in Fragmente zerlegt und erhalten in Teilen einen Überzug aus „kunstfremden“ Materialien. Haare, Fingernägel und Lippen überzieht Volz mit Wachs und Nylonstrümpfen. Für die Kleidung kommen Badematten oder Kunstrasen zum Einsatz. Die Augen werden aus Speckstein geformt.
Lida von Mengden beschreibt die Kunst von Volz als „irritierende Spielart eines Realismus mit klassischen, idealisierenden Zügen, der als überindividualistisch bezeichnet werden kann“. Die ruhige und selbstbewusste Haltung der Büsten erinnert an die in sich ruhende Religiosität von Skulpturen der Renaissance oder an die frühen Arbeiten von Katsura Funakoshi.
Kern der Arbeiten ist der Dualismus von Ferne und Nähe, Natürlichkeit und Künstlichkeit, Eigenart und Typologisierung. Die im Text unterstellte Konkretisierung unterschiedlicher Frauentypen oder die „überzeugende(n) ästhetische(n) Ausformung eines neuen Frauenbildes“ erschließt sich wohl nur weiblichen Betrachtern. Der ungnädige Mann entdeckt in den glattgeschmirgelten Gesichtern den erstarrten, perfekt ausgearbeiteten Massenindividualismus femininer Botox-Klone. (Alter Chauvi!)

Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.27 (April 2009).

„Als ich euch verlies, war ich euer Schüler, nun bin ich der Meister“

Freitag, 01.08.2008

Auf der Flucht vor weichgespülter Flachware stolperte der Rezensent auf der diesjährigen Art Cologne in der Koje der Galerie Fiebach&Minninger über beglückend Wüstes. Geboten wurde ein Konvolut von Arbeiten des 1983 geborenen Henning Straßburger. „YOU LOOK LIKE SHIT. IS THAT STYLE NOW“ war leider schon weg, „F*** ME I´M FAMOUS“ für ambitionierte 4.800 € noch im Angebot.
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