Kunstdiskurs-Kunst. Daniel García Andújar im Württembergischen Kunstverein

Montag, 24.11.2008

Der spanische Künstler Daniel García Andújar ist mit seinem Projekt „Postcapital. Archive 1989 – 2001“ bis Mitte Januar 2009 im Württembergischen Kunstverein zu Gast. Das Archiv Andújars basiert auf über 250.000 Dateien aus dem Internet. Die Dokumente, Filme, Fotos und Audioaufnahmen dienen ihm zur Beschreibung eines Zeitalters, dessen Wendepunkte der Künstler durch den Fall der Berliner Mauer 1989 und die Zerstörung der Twin Towers im Jahr 2001 markiert sieht.

Andújat bedient mit seinem variablen Ausstellungskonzept eine ganze Reihe von aktuellen Kunstdiskursen: privater vs. öffentlicher Handlungsraum, Medien-Remix, Glaubwürdigkeit der Bilder, Urbanität, Umwelt, soziale Spannungen, Neujustierung der weltpolitischen Machtverhältnisse, Kontrollmechanismen und zunehmende Vernetzung.

In Stuttgart zeigt der Künstler einen umfangreichen Bilderfries, sechs Raummodule mit Filmen und Dokumenten zu politischen Kontexten und eine Videoinstallation. Der Besucher hat außerdem die Möglichkeit, im Sinne eines partizipatorischen Kunstwerks, über einige Computer auf das komplette Archiv zuzugreifen.

Ob das Konzept aufgeht, muss sich zeigen. Die Fülle an Dokumenten lässt sich, selbst bei einem längeren Aufenthalt, nicht hinreichend erschließen. Es bleibt bei oberflächlichem Blättern und genervter Resignation angesichts der Informationsberge. Der Bilderfries verliert sich zudem in visuellen Anekdoten.

Andújar behauptet eine Aufarbeitung gesellschaftlicher Umstände, die er nicht einlösen kann. Der Zuschauer findet hier ein idealtypisches Stück Kunstdiskurs-Kunst. Es bietet keine praktischen Lösungen für den alltäglichen Umgang mit der verworrenen Welt, aber dafür eine Menge Gesprächsstoff.

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