Zweifel berechtigt. Ruprecht von Kaufmann im Stuttgarter Hospitalhof
Samstag, 08.11.2008
Nach einer Phase der melancholischen Dunkelheit herrscht in den Gemälden des in München geborenen Ruprecht von Kaufmann (34) wieder etwas Licht. Wo er vor einem Jahr noch Nashörner und Elefanten, isolierte Menschlein und übergroße Insekten, kläffende Höllenhunde, Insektenheere und Hubschrauberschwärme auf schwarzes Gummi malte, wabert nun ein blasser, weißer Nebel über die Leinwand, der seine Figuren, gerade dem Dunkel entkommen, gleich wieder verschluckt.
Seine Bilder gleichen surrealen, zufälligen Traumsequenzen. Gespenstische, weiße Schatten bewegen sich auf verschiedenen erzählerischen Ebenen in einem ort- und zeitlosen Raum. Eine Welt der dunklen Poesie, nicht gewalttätig, aber auch ohne viel Hoffnung.
Die aktuelle Ausstellung im Stuttgarter Hospitalhof „Keiner da? Tagebuch eines Zweiflers“ zeigt nur ein einziges der neuen Nebelbilder. Schlecht für den Besucher, gut für den Künstler. Sold out! Hey, der Mann hat Familie und ist ein erfolgreicher Maler: Woran noch zweifeln?
„Eigentlich an allem“, beteuert von Kaufmann. „Ich bin Realist. Die Welt hat viele düstere Seiten und das spiegelt sich natürlich auch in den Bildern. Ich zweifel auch permanent an meiner eigenen Arbeit! Die Zeichnungen, die ich im Hospitalhof ausstelle, sind Collagen aus zerstörten Arbeiten. Sie dienen mir jetzt als Studien zu einer neuen Bilderserie, die in der Bewegung eingefrorene Flaggen darstellen wird.“
Studien zu einer neuen Serie von Bildern? Nichts gegen die kleinen, 20 x 45 cm großen Schnipsel, aber sie füllen nicht das große Treppenhaus im Turm des Hospitalhofs. Da helfen auch die unverkäuflichen Reste aus dem Atelier nicht. Das große Kruzifix „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von 2003, das schwarz-graue Bild einer Rolltreppe, die im Halbdunkel der Hospitalkirche absäuft, oder die Skulptur „Blase“ von 2005 wirken gegenüber den Arbeiten aus seinem Webportfolio eher blass.
„Seit ich mein Studium abgeschlossen habe, eigentlich seit ich Malerei betreibe, war es mir immer wichtig, dass die Ausstellungen ganz unterschiedlich sind. Ich experimentiere auch gerne mit Materialien, wie zum Beispiel den Gummibildern. Ich finde den Gedanken des eigenen, festgelegten Stils absurd. Warum soll die Selbstzensur schon vor der Ideenfindung einsetzen? Es ist für einen Maler wichtig, experimentierfreudig zu sein und zu bleiben. Die Lust am Ausprobieren wird oft missverstanden als Ausdruck malerischen Unsicherheit. Ich möchte aber nicht wie Roy Lichtenstein enden. Ich möchte, dass meine Malerei lebendig bleibt.“
Nach einigen Jahren in New York und Los Angeles lebt Rupert von Kaufmann zurzeit in Berlin. Wo sonst? Ein kleines malerisches Denkmal hat er der Stadt mit seiner Serie von Gouachen zum Künstlerbuch „Berliner Sonette“ von 2007 gesetzt. Die Blätter erinnern etwas an die traurig-lakonischen Großstadtbilder von Edward Hopper oder an die Illustrationen von Walter Trier zu den Kinderbüchern von Erich Kästner. Kleine, wunderbar unmoderne Stadtimpressionen. „Ich bin hier noch experimentierfreudiger geworden. Jeder Ortswechsel ist immer auch eine Chance, sich neu zu erfinden.“
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