Was ist die Matrix? Erfolg im Betriebssystem Kunst hat wenig mit Genie und viel mit Kommunikation zu tun

Freitag, 27.02.2009

Das klingt doch gut! „Das wichtigste im Kunstbetrieb sind die Künstler“, salbaderte der Leipziger Galerist Harry Lybke letzten Dezember auf einer Veranstaltung der Aka Stuttgart. Unter den eurogepolsterten Fittichen des Kunsthändlers darf und soll der kreative Mensch ganz und ausschließlich seinem Werk verpflichtet sein. Der Galerist kümmert sich um die Niederungen des Lebens und schirmt den Künstler ab. Kein Telefonat ohne sein Ohr, kein Sammlerbesuch ohne sein Placet, keine Ausstellung ohne sein Konzeption. Läuft alles perfekt, werden Künstler und Position als alleingültig im Markt verortet und der überreichliche Auswurf der Akademien wird mit siedendem Pech übergossen, sobald er sich anschickt, den Hügel der Kunstgeschichte ebenfalls erklimmen zu wollen. Krieg ist Krieg. Zu den Waffen! Für einen guten, für den einzigen, für den eigenen Zweck. Weiterlesen »

Vielfalt in der Einheit. Der Kulturverein Provisorium in Nürtingen bei Stuttgart

Samstag, 21.02.2009

Muss ja ein mächtig großer Kulturverein sein! Mit Zentralsaal! In Nürtingen! „Hotelbar Kassel“, „borderlines“, „Schauraum“, „Café Logos“, „El Kursaal“ und ein „Filmclub“ buhlen auf der Website um die Gunst eines kulturell offensichtlich äußerst regen Publikums. Womöglich mit Strahlkraft weit über die Provinz hinaus? Nie gehört. Verdammt!
Die Recherche vor Ort führt in den Keller der frisch renovierten Stadthalle und zur buddhistischen Erkenntnis: Alles ist Eins. Weiterlesen »

Heiko Hausendorf (Hg.): Vor dem Kunstwerk

Donnerstag, 19.02.2009

Wilhelm Fink Verlag, München, 2007, ISBN 978-3-7705-4353-3, 386 Seiten, kartoniert, Format 23 x 16 cm, € 49,50

Hervorgegangen aus einem Kolloquium an der Universität Bielefeld, untersucht der vorliegende Sammelband die interdisziplinären Aspekte des Sprechens und Schreibens über Kunst, die Kunstkommunikation von Laien und Experten miteinander und untereinander.
„Gibt es eine Sprache der Kunstkommunikation und wodurch wäre sie charakterisiert?“ fragt Hausendorf im Vorwort: „Und was hätte sie mit dem Kunstwerk ‚selbst‘ zu tun?“

Die interdisziplinären Aspekte ergeben sich aus den Zielen der Kommunikation: Soll die Kunst didaktisch vermittelt und erklärt werden? Wird ein kritisches Werturteil verlangt oder eine wissenschaftliche Einordnung? Wann und wie wird der Akt des Sprechens über Kunst selbst zu Kunst? Gibt es zum oft beklagten „pseudo-intellektuellen Gerede“, zum „Jargon der Deutungseliten“ nennenswerte Alternativen?

Für den (vermeintlich) gegenüber divergierenden Ansichten sich offen gebenden Kunstfreund kann es arg frustrierend sein zu lesen, wie der Über-Kunst-Sprechende immer auch selbstsüchtige Ziele der Imagebildung verfolgt. „Den Teilnehmern von Kommunikation über Kunst ist (…) vielfach nicht bewusst, in welchem Ausmaß sie und ihre Partner diese Kommunikation zur sozialen Positionierung nutzen“, schreibt Walter Kindt. Die schreibende Zunft kommt nicht gut weg, wenn von „Selbsterbauung durch Positionierung des Schreibenden als Sprachkünstler“ die Rede ist, oder wenn Kindt konstatiert, dass „Interpreten vielfach relativ apodiktisch ihre Interpretationsvorschläge als allgemeingültig erklären“, gepaart mit einer Selbstaufwertung und der Diskreditierung Andersdenkender.

Allerdings geht es den Autoren des Kolloquiums auch nicht anders und so changiert das Werk
zwischen humorigen Beiträgen zu kryptischen Kunstkritiken bis zu langatmigen „ekphratischen“ Betrachtungen, linguistischen Aspekten oder der sequenziellen Bilderschließung mit Hilfe der Aufzeichnung von Blickbewegungen.

Besonders frustrierend ist der Artikel von Christian Demand, im Verbund mit Wolfgang Ullrich gern gesehener Ich-sag‘s-jetzt-mal-ganz-deutlich-Gast bei Kunsttagungen im ganzen Bundesgebiet, wenn er dem blumig-nebulösen Kunstkritikerduktus eine esoterische und eine exoterische Funktion unterstellt: „Einerseits dient sie dem ästhetischen Prediger dazu, seine euphorische Emphase all denjenigen mitzuteilen, die dafür empfänglich sind. Andererseits aber stellt sie ein Beeindruckungsritual dar, das Skeptiker und Ungläubige daran hindern soll, sich mit kritischen Einwänden zu Wort zu melden. Das Mittel der Abschreckung ist die Beschämung.“

Also, liebe Leser: Setzten Sie sich zur Wehr! Glauben Sie nichts! Hinterfragen Sie alles Geschriebene, Gesagte und (vor allem) selbst Gedachte. Das ist zwar mühselig, aber der einzige Weg, sich selbstbewusst gegenüber den Deutungseliten zu behaupten!

http://www.artheon.de/artikel/items/heiko-hausendorf-40hg41-vor-dem-kunstwerk.html

Always Look on the Bright Side of Life. Die Ausstellung “Medium Religion” im ZKM Karlsruhe

Dienstag, 17.02.2009

Okay, okay, die Theorie! Mag sein, dass die von Peter Waibel und Boris Groys kuratierte Ausstellung „Medium Religion“ im ZKM arg gedankenschwer daherkommt und dass die große Themenvielfalt einige Besucher intellektuell keult, aber was soll´s?
Leben, Tod und Unsterblichkeit, religiöser Fanatismus, Genderthematik, quasi-religiöse Verehrung von Künstlern und Politikern, dazu Dokumente zum Streit um das Kaaba-Projekt von Gregor Schneider oder zur Debatte um die Kölner Zentralmoschee: In der Materialmenge überwältigend und zeitraubend, aber trotz der teils bedrückenden Thematik spannend, blasphemisch und unkonventionell. Weiterlesen »

Pop Art Portraits

Freitag, 13.02.2009

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart vom 11.10. 2007 – 20.01. 2008. Hg. National Portrait Gallery Publications, London. Mit Texten von Paul Moorhouse und Dominic Sandbrook. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2007, ISBN 978-3-85514-381-4, 192 Seiten, 150 Abb., davon 81 farbig, gebunden mit Schutzumschlag, Format 28,8 x 22,8 cm, € 39,80

Dominic Sandbrook gibt im Katalog zur Ausstellung „Pop Art Portraits“ einen kurzen Überblick über die vermeintlich so aufregende Zeit der „Swinging Sixties“ und beschreibt ein Jahrzehnt wirtschaftlichen Wachstums und zunehmender sozialer Demokratie. Die Schlagworte sind explodierender Nachkriegswohlstand, Massenmedien, Werbung, Starkult, Weltraumfahrt und das Aufblühen einer Altersklasse, die sich bis heute hartnäckig am Gesäß der Gesellschaft festgebissen hat: der konsumfreudige Teenager.

Die Grundthese der Ausstellung berücksichtigt leider diesen hormongesteuerten Unhold gar nicht, sondern sieht in den Porträts der Pop Art eine Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, durch die Massenmedien in kurzer Zeit von einem Nobody zu einem Star zu werden – um nach ebenso kurzer Verweildauer am massenmedialen Firmament ausgebrannt in Möbelhäusern aufzutreten oder sich gleich umzubringen.

Der ausführliche Text von Paul Moorhouse bietet einen intensiven Überblick über die Protagonisten der Pop Art. Von dem relativ unbekannten, 1924 in Edinburgh geborenen, Eduardo Paolozzi, der mit seiner anarchistischen Collagenserie „BUNK!“ als einer der Vorläufer der Pop Art gilt, bis zu den Großmeistern Wesselmann, Lichtenstein, Warhol, Rauschenberg und anderen.

Aber funktioniert das Thema „Porträt“ als sinnstiftender Gegenpart zum Thema „Dinge“, also zu den vielen Dosensuppen, Haushaltsartikeln, Flaggen und Limonadenflaschen, die in der Pop Art immer wieder auftauchen? Moorhouse beruft sich auf ein Zitat des Kunstkritikers David Sylvester: „Das Eigentümliche der Pop-Art ist, dass sie häufiger eine Form der Stilllebenmalerei als der figürlichen Malerei darstellt. (…) Sie schildert nicht trinkende Männer, sondern die Bierdose; sie schildert nicht Familien bei der Sonntagsspritztour, sondern das Auto mit dem sie fahren“. Ruft man über die Google-Bildersuche das Stichwort „Pop-Art“ ab, zeigen sich jedoch fast ausschließlich Porträts und auch im kollektiven Gedächtnis sind diese viel präsenter als die Dinge. Insofern scheint die thematische Beschränkung der Ausstellung etwas akademisch.

Michael Reuter

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Ken Ohara: Erweiterte Portraitstudien

Freitag, 13.02.2009

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Folkwang Essen vom 04.03. – 30.04. 2006. Hg.: Museum Folkwang; Städtische Galerie Wolfsburg; Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum. Mit einem Text von Sally Stein. Steidl Verlag, Göttingen, 2006, ISBN 978-3-86521-321-1, 88 Seiten, 62 s/w-Abbildungen, Broschur, Format 26,5 x 24 cm, € 19.—

1970 veröffentlichte Ken Ohara seinen Fotoband “One”, der über fünfhundert Porträtaufnahmen enthält, alle auf einen sehr engen Ausschnitt des Gesichts reduziert, ein Bild pro Seite, ohne Rahmen und ohne Paginierung. Die Kraft dieser Publikation hat er nie wiederholen können, aber das hat den Japaner Ohara nicht davon abgehalten, seinen fotografischen Claim abzustecken.

Er fotografierte sich 24 Stunden lang jede Minute einmal auf einem Ohrensessel sitzend, fertigte Fototagebücher als vierzehn Meter lange Leporellos, verschickte eine einfache Fotokamera an wildfremde Leute, um objektive Fotos des amerikanischen Durchschnittsmenschen in seinem Durschnittsalltag zu erhalten oder fertigte Porträts mit einer Belichtungszeit von einer Stunde: Die Gesichter verwackelten bis zur Unkenntnis und hinterließen einen gespenstischen Eindruck der anwesenden Abwesenheit der Porträtierten. Einige Teilnehmer zeigten sich wenig begeistert, aber sie könnten doch „im Lauf ihres Lebens zu der Erkenntnis gelangen, dass diese lange, pulsierende Ablichtung wahrer ist als all die schnellen Schnappschüsse, die eine künstliche Konstanz des Ich verbiefen”. (Sally Stein)

Nicht immer sind seine Arbeiten auf Verständnis gestoßen, aber oft zeigen sich erstaunliche Parallelen zum Umgang mit Porträts und privatem Bildmaterial in der zeitgenössischen Fotografie. Bildmaterial von anonymen Zeitzeugen, über Handy und Internet versendet, ersetzt zunehmend die professionellen Bilder der Nachrichtenagenturen und ungeschönte Großporträts hängen in jeder Kunstmesse.

Der Text von Sally Stein berichtet von Oharas Schwierigkeiten mit der englischen Sprache, den Höhen und Tiefen seine Existenz in Amerika, seinem unprätentiösen Umgang mit dem eigenen Werk. In ihrem Essay findet sich ein gesetzter Herr, der sich nicht über Exzesse und prominente Bekanntschaften definiert, sondern über ein Werk, das in einem ganz normalen Leben mit Familie, Terminschwierigkeiten und künstlerischem Selbstzweifel entstand. Ken Ohara gehört nicht zu den großen Meisterfotografen, aber er hat sein Statement gemacht. Hier wird kein Mythos besungen, sondern ein Leben erzählt. Auch mal angenehm.

Michael Reuter

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Peter Dreher. Tag um Tag guter Tag

Dienstag, 03.02.2009

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstverein Ulm vom 27.04. – 08.06. 2008. Hg. von Monika Machnicki und Kai Uwe Schierz. Mit Texten von u.a. Hans-Ulrich Obrist und Lynne Tillman. modo Verlag, Freiburg i. Br., 2008, ISBN 978-3-937014-83-8, 124 Seiten, 443 Farbabb., gebunden, Format 28 x 30 cm, € 30.—

1972 malte Peter Dreher (*1932) ein leeres Wasserglas, 25 x 20 cm, auf einem weißen Tisch vor weißem Hintergrund. Seitdem sind weitere 4.500 Gläser in zwei Serien gefolgt, alle im gleichen Format, mal bei Tag, mal bei Nacht, immer am selben Platz in seinem Atelier im Schwarzwald. Die Konturen des Glases fixiert er mit Hilfe einer Schablone, um Abweichungen zu vermeiden. Mindestens 50 Gläser malt er jedes Jahr, dazu Totenschädel, Blumen, Interieurs und Landschaften.
Der Soziologe Hartmut Rosa hält das Prinzip der Entschleunigung für geeignet, die mächtigste Gegenideologie des 21. Jahrhunderts zu werden. Es fordert eine neue Aufmerksamkeit und einen bewussten Verzicht auf das immer Neue, das immer Bessere, das immer Andere. Das Leitmotiv des Malers Peter Dreher „Tag um Tag guter Tag“ entstammt einer zenbuddhistischen Quelle. Ganz im Hier und Jetzt, auf dem Weg der Achtsamkeit.
Der Maler entzieht sich so, wie Volker Bauermeister schreibt, dem hochtourigen Kunstbetrieb, aber auch der Leistungs-, Spaß- und Überflussgesellschaft – ein „Widerstand durch Stehenbleiben“.

http://www.artheon.de/artikel/items/peter-dreher-tag-um-tag-guter-tag.html

Thomas Wagner: Freihändig – Wahrnehmungen der Kunst

Montag, 02.02.2009

Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, Nürnberg, 2006, ISBN 978-3-7757-1832-5, 264 Seiten mit 22 s/w- Abb., kartoniert, Format 24,10 x 16,7, € 24,80

Auch Zeitungs-Feuilletonisten schreiben ungerne nur für die Unterlage in Vogelkäfigen und Kaninchenboxen und so darf sich der FAZ-Autor Thomas Wagner geehrt fühlen, viele seiner Artikel über moderne und zeitgenössische Kunst in einem Sammelband zu finden. Die Aufmachung ist allerdings recht schlicht ausgefallen, das Layout lieblos und die Bilder rar. Das Ganze macht den Eindruck einer Goodwill-Aktion, die möglichst wenig kosten sollte.
Zumal die Form der kurzen und aktuellen Kunstkritik wenig geeignet ist, sie zwischen Buchdeckeln zu verewigen. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.
Am Interessantesten ist noch die einleitende Auseinandersetzung des Autors mit seinem Metier. Auch an Wagners Seele nagt das „Who cares?“ der Kritikerzunft. Gegen die Gefahr, in einem uniformen, geldgesteuerten Kunstmarkt der Eitelkeiten zum Klatschreporter zu verkommen, setzt er den Wunsch, durch die Kritik einen „Resonanzraum“ für die Kunst zu schaffen, einen „aus einer bestimmten Beobachterperspektive gesehener Raum, der auf unterschiedliche Fragen und Konstellationen antwortet“. Allgemeine Gültigkeiten vermag die Kritik jedoch nicht mehr zu postulieren. Sie ist im anschwellenden Meinungspluralismus nur eine Stimme unter vielen. Eine Position, die den Großinquisitoren der überregionalen Tageszeitungen sicherlich bitter aufstößt und die in letzter Zeit immer öfter in offener Konfrontation zu Bürgerjournalisten und Bloggern medial ausgefochten wird. „Vielleicht“, so schreibt Wagner als Resümee, „wird Kritik beweglicher und agiert weniger konventionell, wenn sie die Angst vor ihrer Auflösung überwindet.“

http://www.artheon.de/artikel/items/thomas-wagner-freihaendig-wahrnehmungen-der-kunst.html

Marc Chagall. Der Maler am Fenster

Montag, 02.02.2009

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Graphikmuseum Pablo Picasso, Münster, vom 14.11. 2008 – 04.03. 2009. Hg. vom Museum. Mit Texten von Èlisabeth Pacoud-Rème, Markus Müller und Maurice Fréchuret. Hirmer Verlag, München, 2008, ISBN 978-3-7774-6025-3, 166 Seiten, 145 Abb. in Farbe, gebunden, Format 28 x 22 cm, € 29,90

Wieder mal Chagall? Alles schon gesehen? Museumsshop-Kaffeetassen-Seidenschal-Zum-Davonlaufen-Dekorationsmalerei? Dachte ich auch. Bis mir auffiel, dass ich noch nie wirklich bewusst vor einem Chagall gestanden habe. Es gibt Künstler, die im sekundären Vermarktungskreislauf der Kunstmafia derart präsent sind, dass jeder Kunstfreund meint, ihr Œuvre durchdrungen zu haben, in Wirklichkeit aber nur die Merchandising-Bildschatten gutiert hat.
Hier bietet sich zur Abhilfe der vorliegende Katalog an, der rund siebzig (!) Jahre Malerei des russischen Künstlers umfasst. Neben ein paar, dem Ausstellungspublikum geschuldeten, schnulzigen Bildern mit fliegenden Paaren (Marc und Bella), Geigern (russisch/jüdische Seele), Heringen (Vater arbeitete in einer Fischfabrik), Ziegen (Sündenbock) und allerlei sonstigem Getier, bleibt die Publikation nah am Thema „Chagall und das Fenster“.
Élisabeth Pacoud-Réme schreibt in ihrem Katalogbeitrag: „Das Motiv des Fensters in Chagalls Werken wird zum unentbehrlichen Mittel seiner künstlerischen Selbstreflexion. Es dient ihm – selbstverständlich auch – als dekoratives Motiv, erleichtert ihm den Ausdruck des Fantastischen, ist an der Inszenierung des Lichts und der Darstellung seiner religiösen Gefühle beteiligt und spielt eine entscheidende Rolle in der Bekräftigung seiner Rolle als Künstler.“
Der Blick aus dem imaginären Fenster einer beengten, vom jüdischen Darstellungsverbot („Du sollst dir kein Bildnis machen“) geprägten Welt isolierte den jungen Chagall von seiner Umgebung. Zwischen seinem Wunsch nach Freiheit und seiner Gebundenheit an die russische Heimat wurde das Motiv des Fensters zum idealen Vermittler zwischen Außen- und Innenwelt, zwischen Fantasie und Realität. „Es waren jedoch die Glasfenster – als Fenster, die durch das Licht, das sie verströmen, ganz unmittelbar den Dialog mit Gott eröffnen –, mit denen Chagall ganz zu einer ihm gemäßen Ausdrucksform finden sollte.“ (Pacoud-Réme)

http://www.artheon.de/artikel/items/marc-chagall-der-maler-am-fenster.html