Ode an die Natur #3
Stefanie Bühler
Mittwoch, 25.03.2009
Die 1976 geborene Stefanie Bühler studierte an der HfBK Dresden Bildhauerei und dreidimensionales Gestalten. Ihren Zugang zur Natur findet sie über detailliert ausgearbeitete Skulpturen, die an Objekte aus Lehrmittelsammlungen, barocke Wunderkammern oder Dioramen in Naturkundemuseen erinnern. Ihre Arbeit Galaxie, 2006, hat einen Durchmesser von 160 cm, ihr Urwald, 2006, aus Kunststoffen und Ölfarbe bringt es auf eine Höhe von 120 cm. Ein „tiefenräumliches Naturzitat“ sah die Berliner Zeitung darin, das einen „Hauch von Romantik“ verbreite, „umwehrt von dezent poppiger Ironie“.
Stefanie Bühlers Gewitterhimmel, der zurzeit an der Decke der Galerie Junge Kunst e.V. in Wolfsburg aufzieht, hat ein Gerüst aus Styropor. Die Wolkenstruktur besteht aus Watte, die durch gefärbten Kleister gezogenen wurde.
Der Kurator Marc Wellmann postulierte zur Ausstellung Skulptur heute! Die Macht des Dinglichen das Haptische, Konkrete, Abgeschlossene und Beständige als Schlüsselbegriffe für ein „Zurück zum Objekt“ und plädierte für eine Wiederentdeckung der materiellen Präsenz von Objekten. Stefanie Bühler würde das wohl sofort unterschreiben.
Ode an die Natur #2
Alba, das GFP Bunny
Mittwoch, 18.03.2009
Hallo. Mein Name ist Alba. Ich bin ein Albinokaninchen. Ich mag Gras, Gemüse und Salat. Wenn ich mit Schwarzlicht angeleuchtet werde, leuchte ich hellgrün zurück. Krass, nicht? Es ist keine Krankheit und es liegt auch nicht am vielen Grünzeug: Ich bin das GFP Bunny! Ich bin das erste transgene Kunstwerk der Welt.
Sie wundern sich? Nun, die Schöpfung ist eine drollige Mischung aus Fehlerhaftem und Unvollkommenem. Es ist nur verständlich, dass der Mensch zu seinen Gunsten an der einen oder anderen Stellschraube im Getriebe der Natur dreht. Und auch für ein Kaninchen muss es doch mehr geben, als abends auf der Wiese … Sie wissen schon. Weiterlesen »
Dawn Mellor
Freitag, 13.03.2009
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich vom 27.11. 2008 – 08.02. 2009. Hg. von Raphael Gygax und Heike Munder. Mit einem Text und einem Künstlergespräch von Raphael Gygax . JRP|Ringier, Zürich, 2008, ISBN 978-3-905829-98-3, dt. / engl., 64 Seiten, 28 Farb- und 2 s/w-Abb, gebunden, Format 29 x 21 cm, € 25.—
Totenköpfe, abgetrennte Gliedmaßen, ausgestochene Augen, aufgeschnittene Frauenkörper und zu Fratzen verzerrte Prominentenporträts – englischen Humor hat sie, die 1970 geborenen Engländerin Dawn Mellor. Doch trotz der ansprechenden Thematik ihrer Öl auf Leinwand-Malerei mag beim Betrachter keine rechte Stimmung aufkommen. Vielleicht lassen ihre Porträtserie „Vile Affections“ oder der 2006 begonnene Dorothy-Zyklus, der sich um die Hauptfigur aus dem Film „The Wizard of Oz“ von 1939 dreht, dem Betrachter einfach zu wenig geistigen Spielraum. Visuelle Überwältigung überdeckt den kritischen Ansatz.
Der Witz ist doch, dass die meisten Prominenten aus der Regenbogenpresse sowieso nur groteske Karikaturen ihrer Selbst sind. So scheint es zum Beispiel völlig unnötig, die amerikanische Transexuelle Amanda Lepore in einen Frankenstein aus vernarbten Hautstücken zu verwandeln, denn Lepore ist ein Frankenstein aus vernarbten Hautstücken, ein schönheitschirurgisch verunstaltetes Medienmonster aus den dunkelsten Gossipsümpfen. (Nichts für ungut, Amanda!) Dass Mellor die „von der Massenunterhaltung kommunizierten moralischen Codes“ zerschlägt, wie der Ausstellungskurator Raphael Gygax schreibt, mag ein ehrenvoller Ansatz sein. Aber die grotesken Auswüchse unserer Gesellschaft durch ein „noch mehr“ an grotesker Malerei bekämpfen zu wollen, erscheint dabei wenig hilfreich.
Michael Reuter
Veröffentlicht auf www.artheon.de
Ode an die Natur #1
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Naturfreunde und Wandervögel,
Mittwoch, 11.03.2009
einfach mal in der Natur die Seele baumeln zu lassen, ist ein Wunsch, den sich der gestresste Großstädter gerne im verdienten Jahresurlaub erfüllt. Gemeint ist damit der romantische Blick vom Whirlpool auf majestätische Bergketten oder die fototaugliche Stampede einer Gnu-Herde, beobachtet aus dem gut gefederten Safari-Bus. Keinesfalls ist damit das leibliche Baumeln an einem Ast im Urwald gemeint, mit den Tatzen eines Leoparden im menschlichen Gekröse. Weiterlesen »
Die Antipoden
Oliver Ross und Hendrik Lörper zeigen die Extrempunkte zeitgenössischer Skulptur
Dienstag, 10.03.2009
In der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen läuft noch bis Mitte April die Ausstellung Sculpt-O-Mania mit zwölf jungen bildhauerischen Positionen. Im obersten Stockwerk des Erweiterungsbaus treffen zwei Künstler aufeinander, die als Antipoden funktionieren. Hendrik Lörper (*1977) zeigt eine Kojen füllende Plastikfolie, die sich mithilfe einiger PC-Lüfter langsam aufplustert, um dann wieder in sich zusammen zu sinken. Oliver Ross (*1967) präsentiert einige seiner psychedelischen Material-Module, deren Farbigkeit und reichlicher Besatz mit trashigen Fundstücken wie Erdnüssen, Schwämmen, Pflasterstreifen, Rinde oder Schrott das genaue Gegenteil der kontemplativen Arbeit Lörpers sind. Weiterlesen »
Liebe Leserinnen und Leser,
verehrte Innovatoren, frühe Anwender, frühe Mehrheit, späte Mehrheit und Trödler
Sonntag, 08.03.2009
Mit neuen Hypes und Trends im Betriebssystem Kunst ist es so eine Sache. Wer sich zu früh aus der Deckung traut, riskiert, dass sein musengeküsster Jungkünstler von der Konkurrenz verlacht oder, schlimmer noch, aufgekauft, oder, worst case, im linksliberalen Feuilleton besprochen wird. Verwandelt sich doch auf wundersame Weise jeder noch so frische Hype in eine peruanische Hock-Mumie, wenn die kalte Hand des Zustellers die Zeitung frühmorgens in den Briefkasten zwängt. So wenig der weltgewandte Individualtourist in der versteckten florentinischen Trattoria auf seine deutschen Kollegen treffen möchte – den Insider-Tipps im Marco-Polo-Reiseführer sei Dank –, so wenig möchte der Sammler oder Galerist seine Geheimfavoriten in der Zeitung sehen, bevor nicht ein ansehnliches Konvolut der noch preiswerten Arbeiten im Kohlenkeller lagert oder zum Abverkauf an den Galeriewänden hängt. Weiterlesen »
„Junge Künstler sind wieder interessierter an gesellschaftspolitischen Fragen“
Donnerstag, 05.03.2009
meint Petra von Olschowski, Geschäftsführerin der Kunststiftung Baden-Württemberg im Gespräch mit sonnendeck-Redakteur Michael Reuter
Für jeden Euro, den die Kunststiftung als Spende sammelt, erhält sie vom Land Baden-Württemberg noch einmal den gleichen Betrag als Komplementärmittel. Spüren Sie bereits Auswirkungen der Rezession auf die Spendenbereitschaft?
Nachdem 2007 und noch Anfang 2008 eine spürbare Aufbruchstimmung herrschte, haben wir im Moment durchaus eine schwierigere Situation. Ob das aber mit der Rezession zusammenhängt, ist schwer zu sagen. Wir können auch nicht absehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Im Unterschied zu anderen Einrichtungen, die ihre Grundfinanzierung aus öffentlicher Hand beziehen und für die das Sponsoring nur eine Zusatzmöglichkeit ist, Geld zu gewinnen, befindet sich die Kunststiftung in einer labileren Situation. Wir konnten im letzten Jahr die Höchstmittel an Komplementärmitteln vom Land abrufen, aber wir merken auch, dass die Haltung der Spender, auch bei kleineren Summen, vorsichtiger geworden ist. Weiterlesen »
Zwischen Traum, Fantasie und kühler Berechnung
Fünf aktuelle Ausstellung in Stuttgart und Umgebung
Donnerstag, 05.03.2009
Kunsthalle Karlsruhe – Tony Cragg
Neben vielen Zeichnungen und Radierungen zeigt das Kunstmuseum Karlsruhe meterhohe Handschmeichler aus Holz, Bronze und Fiberglas des 1949 in Liverpool geborenen Wahl-Wuppertalers Tony Cragg. In den gediegenen Räumlichkeiten des Museums kommen die in sich verschlungenen, organischen Arbeiten wunderbar zur Geltung. Die Ausstellung bezieht auch die benachbarte Orangerie mit ein, in deren Rotunde drei Großskulpturen Platz finden.
Aus Craggs endlosem Formenreichtum lässt sich vieles herauslesen. Von mutierten Schneckengehäusen über in sich verdrehte Gesichter, die sich rotierend im Raum entfalten bis zu extravaganten Vasen, die sich abenteuerlich ein- und ausstülpen. Der Ausstellungstitel Second Nature verweist auf den andauernden Versuch des Menschen, sich durch seine Kultur eine eigene, eine „verbesserte“ Natur überzustülpen. Im Gegensatz zu manch deutschem Berufsgrantler steht Cragg dem wissenschaftlichen Fortschritt wohlgesonnen gegenüber. Verträumt spielt er in seinen Zeichnungen mit der Doppelhelix der DNS oder dem Binärcode des Informationszeitalters. Er scheint Natur weniger als gesellschaftspolitisches Schlachtfeld, sondern als Quelle immer neuer, fantastischer Formen zu verstehen. Weiterlesen »
Die Routine des Alltags durchbrechen. Im Künstlerhaus Stuttgart werden die Möglichkeiten einer zeitgemäßen Kunstvermittlung in Kunstvereinen und Museen untersucht
Montag, 02.03.2009
In Abwandlung eines Bonmots des Malers Ad Reinhardt könnte man sagen, dass Kunstvermittlung der Zwerg ist, über den man stolpert, wenn man zurücktritt, um ein Gemälde zu betrachten. Ganze Horden von Schulklassen und Kindergartengruppen werden regelmäßig – und zum Schrecken des dünnhäutigen Aufsichtspersonals – mit Buntstiften und Papier durch die Bildertempel der Post-Postmoderne getrieben. Die Museumspädagogik spricht hier von dynamischen Formen der Kunstpräsentation.
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine bietet Mitte März im Künstlerhaus Stuttgart Vorträge und Workshops zur zeitgemäßen Kunstvermittlung an. Unter dem Titel VERMITTELN/VERHANDELN beschäftigt sich die zweitägige Tagung mit der Rolle des Publikums und gibt Einblicke in experimentelle Formen der Vermittlung. Wie kann es gelingen, die Besucher zu Co-Produzenten, Kritikern oder gar Komplizen zu machen? Weiterlesen »