Neue Kuratorin an der Staatsgalerie Stuttgart
Donnerstag, 06.11.2008
Alice Koegel hat Mitte September den neu eingerichteten Posten der wissenschaftlichen Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Staatsgalerie Stuttgart übernommen. Ihr Arbeitsbereich umfasst Kunst ab 1980. Sie studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Pädagogik, arbeitet seit 1997 als Kritikerin und Kuratorin und hat zahlreiche Texte und Publikationen über zeitgenössische Kunst, Film und Video veröffentlicht. Die sonnendeck-Redakteure Hansjörg Fröhlich und Michael Reuter trafen Koegel zum Interview.
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Christian Jankowski. Ein Sonnyboy im Kunstmuseum Stuttgart
Montag, 13.10.2008
„Hula-Hoop und Karaoke im Museum, Teleshopping auf der Kunstmesse oder Kochshow im Kunstverein“. Die offizielle Verlautbarung zur Ausstellung von Christian Jankowski im Kunstmuseum Stuttgart klingt arg nach Mainstream. Dazu ein Sonnyboykünstler, Prof an der Stuttgarter Kunstakademie und weltweit gefragter Video- und Performancekünstler, der auf einem Schreibtisch Handstand macht. Was für ein Mist! Aber immer langsam. Ich bin durchaus lernfähig und halte die Ausstellung mittlerweile für echt gelungen. Ob Janko sich einem Fernsehprediger vor die Füße wirft, mit Pfeil und Bogen zur Nahrungsbeschaffung in den Supermarkt geht, oder per Losverfahren die Mitarbeiter des Stuttgarter Kunstmuseums zum Arbeitsplatztausch nötigt… das hat schon was! Er nutzt die Medienformate, die wir alle kennen und gibt nicht den Obertheoretiker, sondern verpackt seine Ideen in Aktionen, über die man freiwillig nachzudenken beginnt, weil sie eben nicht so kopflastig daherkommen. Und außerdem mag ich ihn, weil er mir ein Interview gegeben hat und weil im ersten Stock abgetrennte Körperteile liegen.
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Die Wunden vernähen. Isabell Kamp im Hospitalhof Stuttgart
Montag, 29.09.2008
Immer das Gleiche. Der Kunstkritiker geht in eine Ausstellung, sinniert ein wenig über die gezeigten Werke, schreitet gedankenschwer nach Hause und formuliert am Schreibtisch die einzig wahre Interpretation. Zumindest aus seiner Sicht. Konfrontiert man die betreffenden Künstler mit den Einsichten, zeigen die erfahrenen Hasen ein verständnisvolles Lächeln und schweigen, die Frischlinge von den Akademien schlackern mit den Ohren und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. So erging es dem Rezensenten jüngst mit Isabell Kamp (28), deren Werke seit letzter Woche im Hospitalhof in Stuttgart zu sehen sind. Dem Genderdiskurs unter autoaggressiven Aspekten wollte Isabell so nicht folgen. Der Kritiker ist darob nicht geknickt, sondern freut sich über jede Kunst, über die zu diskutieren sich lohnt. Weiterlesen »
Die documenta 12 im Rückblick. Michael Reuter im Gespräch mit Bernhard Balkenhol
Dienstag, 01.04.2008
Michael Reuter (MR): Die Kernthese Roger Buergels „Migration der Form“ schließt sich der aktuellen Radikalisierung der Pluralität in der Welt und der Weltkunst an. Lokales und Globales sollten sich durchdringen, sich zum Transnationalen mischen und so die enorme Vielfalt und die großen Zusammenhängen der vernetzten Welt spiegeln. Ist es der Ausstellung gelungen, Schneisen durch die Komplexität zu schlagen?
Bernhard Balkenhol (BB): Die d12 bot weder in der Auswahl der Exponate noch im Aufbau der Ausstellung eine Systematik, große Zusammenhänge der vernetzten Welt zu spiegeln, Überblick zu gewinnen oder ein Hauptstraßennetz zu erkennen. Das war auch nicht ihr Anspruch. Vielmehr ging es ihr um einzelne Fäden, die sie aufgegriffen hat, an denen man sich festhalten oder entlang hangeln konnte. Interessant an der „Migration der Form“ ist für mich auch weniger das Aufzeigen von Verbindungen, die sich auf diese Weise transnational und interkontinental nachverfolgen lassen – das ist nicht neu –, als vielmehr der Perspektivwechsel, der mit diesem Begriff möglich ist. Die Konzentration auf die bloße Form macht es nämlich möglich, deren Erscheinung, Wirkung und Gebrauch zunächst ohne ideologischen Kontext wahrzunehmen, deren Wanderung also als einen roten Faden zu verstehen, aus dem heraus sich ästhetische Kultur entwickelt hat. Damit wird der Form ästhetischer Kultur eine Macht gegeben, die so bisher nur in der Musik herausgearbeitet worden ist. Und weil dieser Perspektivwechsel ein ständiger ist und nicht nur die Ebenen Form und Politik, sondern auch Technologie, Wissenschaft, Ethik und nicht zuletzt das „bloße Leben“ betrifft, wird die Komplexität eher größer als kleiner. Weiterlesen »
René Wirths. Dinge
Samstag, 17.11.2007
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Michael Haas, Berlin vom 29.09. – 27.10. 2007. Hg. von der Galerie. Mit einem Text von Julia Trolp. Eigenverlag, Berlin, 2007, ISBN 978-3-9800605-8-5, 24 Seiten, 12 Abb., davon 8 farbig, Klappbroschur, Format 23 x 22 cm, € 5.—
Die aktuellen fotorealistischen Gemälde von René Wirths zeigen Dinge des Alltags, Fahrräder, Stühle und Draht. Die aufwendige Malerei steht im Kontrast zur äußersten Klarheit und Ruhe des Dargestellten. Auf weißem Grund zeigt der 1967 geborene Wirths seine Objekte flach und leicht vergrößert, fast ohne perspektivische Verkürzungen. Sie nutzen den gesamten Raum der Leinwand, stoßen an die Bildgrenzen und bestimmen so die Größe der Arbeit. Form und Design der Dinge werden überdeutlich, ihre präzise Gegenwart überhöht sie zum Urbild.
Der Beitrag erschien in den Artheon-Mitteilungen der Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche Nr.26 (April 2008).